Adieu FOMO, hallo JOMO - deiner mentalen Gesundheit zur Liebe

Hand würfelt und wandelt die Abkürzung FOMO (Fear of Missing Out) in JOMO (Joy of Missing Out) um.

JOMO ist viel schöner, gesünder und stressfreier als FOMO

FOMO steht für "The Fear of Missing Out" und ist einer der häufigsten Stressfaktoren, die mir in meiner Arbeit mit Menschen, sowohl im Coaching als auch in der strategischen Begleitung und in Workshops, begegnen.

Auch wenn die betroffenen Menschen selbst es nicht immer bewusst wahrnehmen oder explizit so benennen, steht hinter vielen verzögerten Entscheidungen und scheinbar ausweglosen Situationen im Kern die Frage: Was, wenn ich mich für die falsche Option, den falschen Weg entscheide?

Anders formuliert: Was wenn ich die beste Option verpasse?

Darauf gibt es inzwischen für mich nur eine Antwort:

Du wirst immer etwas verpassen. Die relevante Frage ist nicht nur wofür, sondern auch wogegen du dich entscheidest - und zwar ganz bewusst.

Wenn dir das gelingt, ersetzt du FOMO durch JOMO. Für deine mentale Gesundheit ist das aus meiner Sicht eine der besten Veränderungen, die du vornehmen kannst.

3 Gründe, warum du FOMO noch heute durch JOMO ersetzen solltest

In der ersten Version dieses Artikels hatte ich hier sieben Gründe stehen, denn die Zahl sieben ist psychologisch für Leserinnen und Leser attraktiver als viele andere.

Doch beim erneuten Lesen wurde mir klar, dass ein großer Teil der Gründe nur Variationen der drei Kernprinzipien sind, um die es mir geht. Und da wir bei Kaffee, Kater, Mann deine Zeit respektieren, habe ich die Liste auf diese drei Aspekte reduziert.

Ein Hinweis ist mir vorweg jedoch noch wichtig: Prioritäten und Fokus verändern sich im Lauf des Lebens ganz automatisch. Für mich selbst gilt:

Mein Hauptfokus, Menschen zu unterstützen und ihnen zu helfen, ist bis heute konsistent, doch die konkrete Ausprägung und Umsetzung hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten, jetzt fühle ich mich alt, verändert.

Trotz meiner Arbeit mit dem Konzept der Lebenskarriere hat sich die Erkenntnis, dass und wie ich FOMO durch JOMO ersetzen kann und sollte, erst in den letzten zehn Jahren wirklich bei mir durchgesetzt.

Sollte es dir also nicht auf Anhieb gelingen:

Mach dir keine Sorge, versuche es “einfach” immer wieder neu und bleib dran. Wenn du soweit bist, verfestigt sich das Prinzip.

Doch warum solltest du deinen Fokus auf JOMO legen? Hier meine drei Gründe:

1.Mach das beste aus dem, was du haben darfst.

Mir ist klar, dass "mach das beste draus" umgangssprachlich eher negativ konnotiert ist. Hier meine ich es jedoch völlig positiv. Denn das du etwas verpasst, ist eine Tatsache, du kannst nur an einem Ort gleichzeitig und mit deiner Aufmerksamkeit voll bei einer Sache sein. Warum also gegen diese Tatsache ankämpfen? Nimm sie an, lass dich völlig auf das ein, was du gerade erlebst und tust, und die Qualität deines Erlebens wird besser und tiefer.

2.Aktiv mitten drin, statt passiv dabei.

Der zweite Aspekt schließt nahtlos an den ersten an. Wenn du zulässt, dass FOMO dich und deine Wahrnehmung dominiert, wirst du das, was du gerade erlebst, oft nur passiv zur Kenntnis nehmen. Denk einfach an eine Veranstaltung zurück, an der du nur aus Höflichkeit teilgenommen hast, aber eigentlich gerne woanders gewesen wärst. Wie präsent wart du wirklich? Woran erinnerst du dich noch? Und ist es positiv? Die Chancen stehen gut, dass deine Antworten etwas dünn ausfallen.

3.Leichter entscheiden - nach deinen Prioritäten und für dich.

Lass uns einen kurzen Moment bei der Veranstaltung verweilen, die du nur aus Höflichkeit besucht hast. Was wäre geschehen, wenn du abgesagt hättest? Nicht unter einem Vorwand, sondern höflich und bestimmt im Stile von: "Danke für die Einladung, ich weiß sie zu schätzen. Allerdings habe ich meine Zeit bereits anderweitig verplant." Dieser Plan kann auch nur aus Zeit für dich bestehen, solange er sich nach deinen Prioritäten richtet, ist er für dich der richtige.

Wenn du deine Prioritäten und Werte in den Fokus nimmst, wird JOMO zu einer Grundhaltung. Dann fallen die Entscheidungen für dich und die Themen und Menschen, die dir wichtig sind, leichter. Und du hast Freude daran, die anderen Dinge und Optionen zu verpassen - denn du weißt, dass für dich nicht so gut passen, wie die, die du gewählt hast. Gleichzeitig sinkt dein Stresslevel spürbar.

Entscheide dich - und genieße JOMO

Eine der besten höflichen Absagen auf eine Einladung, die ich bisher gehört habe, stammt aus den letzten Minuten des Films "Wake Up Dead Man".

Im dritten Film aus der "Knives out" Reihe lädt Priester Jud Duplenticy, einer der Hauptfiguren, am Schluss den Detektiv Benoit Blanc zu seiner ersten Messe ein.

Die beiden Charaktere haben im Film viel Zeit miteinander verbracht und auch die Lösung des Mordrätsels gemeinsam vorangebracht. Auch wenn Benoit Blanc kein Kirchgänger ist, würden die meisten Menschen wohl schon aus Höflichkeit an diesem für den Priester wichtigen Ereignis teilnehmen.

Die Figur des Benoit Blanc ist jedoch konsequent geschrieben. In der englischen Fassung lehnt er die Einladung mit den Worten ab:

That’s very kind of you, but there ist nothing I’d rather not do.

Klar und dennoch so höflich und charmant, dass Priester Jud ihm nicht böse ist. Vermutlich hat er diese Antwort sogar erwartet.

Klar, in einem Film und bei einer Figur wie Benoit Blanc ist diese Antwort einfach, doch auch in der Realität kannst du Einladung elegant absagen.

Doch was, wenn du selbst zwar kein Interesse an einer Veranstaltung hast - ich nutze das Beispiel der Veranstaltung, die Logik lässt sich jedoch auf viele Entscheidungen und Themen übertragen - sie jedoch für einen dir wichtigen Menschen wichtig ist.

Kollidieren hier einige deiner Prioritäten und Werte miteinander?

Vielleicht, doch in der Regel weißt du recht schnell, was für dich wichtiger ist.

Wenn du basierend auf deinen Prioritäten dich also dafür entscheidest, den dir wichtigen Menschen zu begleiten, könntest du das miesepetrig oder missgelaunt tun.

Dazu habe ich zwei Fragen an dich:

  1. Wirst du dem für dich wichtigen Menschen damit gerecht und tust du ihm oder ihr damit einen echten Gefallen?

  2. Wirst du die Zeit als positiv, wertvoll oder mindestens sinnvoll erleben und dich gut unterhalten oder zumindest neues lernen?

Zugegeben, die Fragen sind recht rhetorisch formuliert. Die Antworten sind in beiden Fällen denke ich klar.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Wenn du dich für eine Veranstaltung oder einen Weg entscheidest, und dann miesgelaunt oder missmutig bist, hast du dich nicht wirklich dafür entschieden.

Das bedeutet nicht, dass jeder eingeschlagene Weg Begeisterungsstürme auslösen wird oder muss. Auch wenn du dich vollständig für eine Veranstaltung oder eine Option entscheidest, muss dich die Aussicht nicht begeistern.

Doch wenn du den Weg dann gehst oder, um im Beispiel zu bleiben, den dir wichtigen Menschen auf die Veranstaltung begleitest, solltest du ganz anwesend, neugierig offen und mit einer positiven Grundstimmung ganz präsent sein.

Vielleicht erlebst du nicht die schönsten Momente deines Lebens, vielleicht ergeben sich keine weltbewegenden Erkenntnisse. Doch wenn du dich ganz darauf einlässt, dich wirklich entscheidest und dich auf die für dich wichtigen und positiven Momente und Aspekte konzentrierst bin ich mir sicher: Du wirst die Zeit als wertvoll oder zumindest interessant erleben.

Dann wirst du nicht den Optionen hinterhertrauern, gegen die du dich entschieden hast. Dann bist du ganz anwesend und genießt die Tatsache, dass du dich für diesen Weg entschieden hast und ihn ganz und gar erlebst.

Mit 3 Fragen von FOMO zu JOMO

Eine Patenlösung für den Wechsel von FOMO zu JOMO als Grundhaltung habe ich nicht. Wie bereits erwähnt hat es bei mir einige Jahre gedauert, bis ich das Prinzip wirklich verinnerlichen und verstetigen konnte.

Doch die frei folgenden Fragen waren für mich dabei wichtige Instrumente. Sicher, ich musste sie mir mehrfach stellen und nur die kontinuierliche Beschäftigung mit ihnen hat mir wirklich geholfen.

Dennoch sind sie aus meiner Sicht wichtig. Vielleicht helfen sie dir auch weiter.

  1. Welche deiner Prioritäten und Prinzipien machen genau den Weg, für den du dich entscheidest, zum für dich passenden?

  2. Wie wichtig sind die Optionen oder Wege, die du mit dieser Entscheidung verpasst, für dich ganz persönlich und konkret?

  3. Was hast du davon, wenn du gedanklich andere Optionen und Wege durchgehst, während du hier und jetzt auf deinem gewählten Weg unterwegs bist?

JOMO ist viel schöner, gesünder und stressfreier als FOMO. Viel Freude auf deinem Weg dorthin.



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