Innere Inventur: Reflexion als Kraftquelle für Introvertierte

Das rothaarige Mädchen im grauen Mantel sitzt auf einem grünen Frühlingsgras und schreibt ihre Gedanken ins Notizbuch. blasse Hände und leeres Notizbuch. Konzept (Idee) des Denkens, Träumens, Planens, Lernens und Lernens. frühlingshafter Nachmittag.

Wenn ich die vergangenen Monate Revue passieren lasse, starte ich gern bei konkreten Dingen.

Nutze den Herbst für eine Inventur: Prüfe, was dir Energie gibt, was dich Kraft kostet und was du in den kommenden Monaten gut gebrauchen kannst.

Für mich verändert der Herbst das Tempo. Die Tage werden kürzer. Draußen wird es ruhiger. Oft merke ich dann, dass mein Blick wieder stärker nach innen geht.

Das passt ziemlich gut zu mir als introvertierten Menschen. Ich brauche regelmäßig Zeit, um Erlebtes zu sortieren. Im Alltag kommt diese Zeit trotzdem oft zu kurz. Termine, Arbeit, Familie und die vielen kleinen Dinge dazwischen füllen den Kopf.

Deshalb nutze ich den Herbst gerne für eine kleine innere Inventur. Ich schaue auf die vergangenen Monate zurück:

  • Was hat mir gutgetan?

  • Was hat viel Kraft gekostet?

  • Wo war ich gern dabei?

  • Wo war es mir zu viel?

Dabei geht es für mich um ein ehrliches Hinschauen. Ohne Bewertung. Ohne daraus die nächste große Selbstoptimierungaktion zu machen.

Oft reichen schon ein paar ruhige Fragen. Vielleicht mit einem Kaffee und einem Notizbuch. Oder bei einem Spaziergang. Oder einfach im Kopf.

Am Ende kenne ich meine Antworten vielleicht ein kleines Stück besser. Und genau das hilft mir, die kommenden Monate bewusster zu gestalten.

Schau zurück: Was hat deine letzten Monate geprägt?

Wenn ich die vergangenen Monate Revue passieren lasse, starte ich gern bei konkreten Dinge:  Welche Termine sind mir im Gedächtnis geblieben? Welche Menschen waren oft um mich herum? Welche Aufgaben haben viel Raum eingenommen? So wird schnell sichtbar, was meinen Alltag geprägt hat.

Was hat dir gutgetan?

Ich beginne gerne mit den Dingen, die sich gut angefühlt haben. Das können ruhige Abende, ein Gespräch, Zeit allein, ein Ausflug oder ein Projekt sein, das mich gern beschäftigt hat.

Frag dich zum Beispiel:

  • Wann hast du dich wohl gefühlt?

  • Was hat dir Ruhe gegeben?

  • Welche Menschen haben dir gutgetan?

  • Was würdest du gern öfter erleben?

Dabei dürfen auch kleine Dinge zählen. Gerade sie zeigen oft ziemlich deutlich, was im Alltag trägt.

Was hat dich Kraft gekostet?

Danach schaue ich auf die anstrengenden Momente. Welche Termine haben mich ausgelaugt? Wo war mir etwas zu viel? Welche Verpflichtungen haben mehr Energie gezogen als erwartet?

Es ist hilfreich, dabei möglichst konkret zu bleiben. „Die letzten Monate waren stressig“ sagt wenig aus. „Drei Abende pro Woche verplant zu haben, war mir zu viel“ ist da schon hilfreicher.

So bekommst du erste Hinweise darauf, wo du im Herbst etwas verändern möchtest.

Was ist eigentlich Reflexion?

Für mich bedeutet Reflexion, Erfahrungen bewusst anzuschauen und einzuordnen. Du hältst kurz inne und fragst dich, welche Wirkung eine Situation auf dich hatte. Du suchst nach Zusammenhängen und achtest auf deine Bedürfnisse.

Das kann dir dabei helfen, eigene Muster früher zu erkennen. Vielleicht merkst du, dass dich volle Wochen stärker fordern als gedacht. Vielleicht stellst du fest, dass dir feste Zeiten allein guttun.

Wichtig ist dabei ein freundlicher Blick auf dich selbst. Du musst nicht aus jeder Erfahrung eine Erkenntnis ziehen. Manchmal reicht es schon, etwas klarer zu sehen.

Was mir Energie gibt – und was sie mir nimmt

Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, interessiert mich vor allem eine Frage: Wie habe ich mich nach bestimmten Situationen gefühlt?

Manches macht müde, obwohl es auf dem Papier gar nicht viel aussieht. So kann ein voller Nachmittag mit mehreren Gesprächen mich mehr Kraft kosten als ein ganzer Arbeitstag in Ruhe. An anderen Tagen bin ich lange unterwegs und komme trotzdem mit einem guten Gefühl nach Hause.

Deshalb achte ich bei meiner inneren Inventur nicht auf die Menge. Mein Fokus liegt darauf, welche Auswirkungen eine Situation auf meine Energie hatte.

Was regelmäßig Kraft kostet

In anstrengenden Situationen denke ich zuerst an die offensichtlichen Dinge. Zu viele Termine. Lärm. Große Gruppen. Zu wenig Zeit für mich.

Meist stecken die interessanten Antworten jedoch im Alltag. Vielleicht sage ich zu oft spontan zu. Vielleicht plane ich Termine zu dicht hintereinander. Vielleicht brauche ich nach einem Treffen mehr Ruhezeit, als ich mir zugestehe.

„Wichtig: Nicht jede anstrengende Sache muss aus meinem Leben verschwinden. Manche Aufgaben gehören einfach dazu. Manche Menschen sind mir wichtig. Deshalb lohnt sich für mich die Frage, wie ich damit umgehe. Ein freier Abend nach einem vollen Tag kann einen großen Unterschied machen. Auch ein Termin weniger pro Woche kann einen Unterschied machen.“

Ich achte außerdem auf wiederkehrende Muster. Einzelne schlechte Tage sagen wenig aus. Wenn dasselbe Gefühl immer wieder auftritt, schaue ich genauer hin.

Was meinen Akku wieder füllt

Bei der Energiebilanz gehören die guten Dinge genauso dazu:

  • Was lässt mich durchatmen?

  • Wann werde ich innerlich ruhiger?

  • Welche Menschen tun mir gut?

  • Welche Tätigkeiten machen meinen Kopf freier?

Bei mir müssen das keine besonderen Erlebnisse sein. Ein Kaffee in Ruhe kann schon reichen. Ein Spaziergang wirkt oft Wunder. Manchmal brauche ich einfach eine Stunde ohne Gespräche und neue Eindrücke.

„Wichtig: Kraftquellen müssen nicht produktiv sein. Ich muss dabei nichts lernen, erledigen oder verbessern. Wenn mir etwas gut tut, ist das Grund genug, ihm Platz zu geben.“

Ich schreibe mir solche Dinge gern auf. So sehe ich schwarz auf weiß, was im Alltag schnell untergeht. Daraus ergibt sich mit der Zeit ein ziemlich brauchbares Bild meiner persönlichen Energiebilanz.

Artikel von Anne-Laure Le Cunff · Ness Labs

(EN) Build a Joy List

Oft vergessen wir gerade die kleinen Dinge, die uns im Alltag Freude machen. Große Ereignisse bleiben in Erinnerung, während die kleinen schönen Momente schnell wieder verschwinden.

Artikel bei Ness Labs lesen →

9 Fragen für deine innere Inventur

Du kannst die Fragen aufschreiben oder sie bei einem Spaziergang dabei haben. Versuche nicht, alle auf einmal zu beantworten. Zwei oder drei reichen für den Anfang.

  • Was hat mir in den vergangenen Monaten regelmäßig gutgetan?
  • Nach welchen Situationen war ich oft erschöpft?
  • Bei welchen Menschen kann ich mich entspannen?
  • Welche Termine kosten mich im Voraus Kraft?
  • Wann hatte ich genug Zeit für mich?
  • Wo hätte ich mehr Ruhe oder Abstand gebraucht?
  • Welche Gewohnheit möchte ich beibehalten?
  • Was möchte ich in den nächsten Monaten seltener einplanen?
  • Wofür möchte ich mir bewusst mehr Zeit nehmen?

So wird Reflexion im Alltag möglich

Für mich funktioniert sie am besten, wenn sie unkompliziert bleibt. Ich brauche dafür weder eine feste Morgenroutine noch ein volles Tagebuch. Oft reichen ein paar Minuten, wenn ich wirklich bei der Sache bin.

Wichtig ist mir vor allem, dass die Methode zu meinem Alltag passt. An manchen Tagen schreibe ich ein paar Gedanken auf. An anderen Tagen gehe ich eine Runde spazieren und lasse die letzten Wochen im Kopf Revue passieren.

Schreiben hilft beim Sortieren.

Wenn mein Kopf voll ist, greife ich zu Papier und Stift. Ich schreibe auf, was mich beschäftigt. Ohne Anspruch auf schöne Formulierungen. Ohne einen Plan für mehrere Seiten zu haben.

Oft reichen drei kurze Fragen:

  • Was war gut?

  • Was hat Kraft gekostet?

  • Was möchte ich ändern?

Durch das Aufschreiben werden Gedanken greifbarer. Ich erkenne schneller, welche Themen wiederkehren. Manche Dinge wirken auf Papier auch kleiner, als sie sich im Kopf angefühlt haben.

„Wichtig: Du musst kein Tagebuch führen, um von Reflexion zu profitieren. Ein paar Stichpunkte reichen aus. Wenn du nach fünf Minuten fertig bist, ist das völlig in Ordnung.“

Abstand hilft, einen klaren Blick zu gewinnen.

Manche Gedanken lassen sich im Sitzen schlecht sortieren. Dann gehe ich raus. Beim Spazierengehen fällt es mir leichter, eine Situation mit etwas Abstand zu betrachten.

Ich nehme mir dabei meist nur eine Frage mit. Zum Beispiel: Was hat mich in letzter Zeit unnötig viel Energie gekostet? Oder: Wovon wünsche ich mir in den nächsten Wochen mehr?

So bleibt die Reflexion überschaubar. Ich verliere mich weniger in Einzelheiten und komme eher zu einem Gedanken, mit dem ich etwas anfangen kann.

„Wichtig: Reflexion braucht kein Ergebnis nach jedem Spaziergang. Manchmal taucht eine Antwort erst später auf. Auch das gehört für mich dazu.“

Fazit: Mit etwas mehr Klarheit in den Jahresendspurt

Für mich ist so eine innere Inventur kein großes Projekt. Ich möchte damit vor allem herausfinden, wie es mir in den letzten Monaten eigentlich ging:

  • Was hat mir gutgetan?

  • Was hat mich regelmäßig Kraft gekostet?

  • Wo brauche ich mehr Ruhe?

  • Welche Dinge möchte ich öfter einplanen?

Die Antworten darauf sind nicht immer sofort da. Das müssen sie auch nicht sein. Mir hilft es schon, genauer hinzuschauen und wieder besser wahrzunehmen, was ich gerade brauche.

Gerade jetzt passt das für mich gut. Das Jahr ist noch nicht vorbei. Trotzdem liegt schon einiges hinter mir. Ich kann sortieren, bevor die nächsten Monate wieder voller werden.

Dabei muss am Ende keine lange Liste mit Veränderungen stehen. Manchmal reicht eine kleine Entscheidung. Ein Termin weniger. Mehr Zeit für einen Spaziergang. Ein freier Abend ohne schlechtes Gewissen.

Genau darin liegt für mich der Wert von Reflexion: Ich verstehe mich selbst ein Stück besser und kann meinen Alltag entsprechend ausrichten.

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