Lachen oder weinen? Warum nicht beides? Emotionen sind okay - und wichtig!

Ein Mann und eine Frau stehen mit dem Rücken zur Kamera, halten sich im Arm und schauen auf eine Landschaft im Sonnenuntergang.

"Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll." - Den Spruch hast du sicher schon einige Male gehört. Meist wird dann lachen vorgezogen, weil es als positiver und die bessere Option gilt.

Tränen, selbst Freudentränen, sind gesellschaftlich eher ungern gesehen, zumindest in Deutschland.

Sprüche "Ein echter Mann weint nicht" oder weinen als Zeichen von Schwäche zeigen: Gesellschaftlich gibt es da einen klaren Unterschied.

Hintergrund: Ausdruck von Emotionen in verschiedenen Kulturen

Wenn dich die wissenschaftliche Einordnung von lachen, weinen und anderen Emotionsausdrücken interessiert, schau dir gerne die Studie „When to Laugh, When to Cry: Display Rules of Nonverbal Vocalisations Across Four Cultures“ an.

Die Forscherinnen und Forscher haben verschiedenen Ausdrücke von Emotionen in vier Kulturen - USA, Türkei, China und den Niederlanden - erforscht.

Spannend und lesenswert.

Lachen und weinen als Werkzeuge der emotionalen Verarbeitung

Du kannst das selbst testen: Stell dir vor, du bist mit guten Bekannten, keinen Freunden oder Freundinnen aber auch keinen Fremden, unterwegs. Was wäre dir unangenehmer, wofür würdest du dich eher entschuldigen? Spontan fließende Tränen oder spontanes Lachen?

Lachen und weinen sind schlicht Ausdruck von Emotionen

Objektiv betrachtet sind sowohl lachen als auch weinen einfach nur Ausdruck von Emotionen. Lachen aus Erheiterung und Freude gibt es genau so wie hysterisches oder bitteres Lachen. Tränen der Freude ebenso wie Tränen der Trauer oder der Wut.

Manchmal wissen wir auch gar nicht so recht, warum wir lachen oder weinen. Wir schauen uns ein Video an - und plötzlich lachen oder weinen wir, ohne, dass wir den Grund wirklich erklären oder selbst benennen könnten.

Mein Appell ist daher: Löse dich zumindest für deine eigene Wahrnehmung und Einordnung von den gesellschaftlichen Bewertungen des Lachens und Weinens. Nimm beide als Ausdruck von Emotionen und damit auch wichtige Ventil für eine emotionale und geistige Gesundheit an.

Hintergrund: Die Neurobiologie des Lachens und Weinens

Lachen und weinen sind zwar beides Ausdrucksformen von Emotionen, doch neurobiologisch aktivieren sie unterschiedliche Bereiche unsers Gehirns.

Wenn dich die wissenschaftliche Basis des Weinens interessiert, empfehle ich dir „The neurobiology of human crying“.

Und wenn lachen für dich spannender ist, solltest du einen Blick in die Studie „Two Neural Networks for Laughter“ werfen.

Die Akzeptanz der beiden emotionalen Ausdrucksformen ist jedoch nur der erste Schritt. Der zweite kann daraus bestehen, dass du lachen und weinen ganz gezielt nutzt, um Emotionen zu verarbeiten und Druck abzubauen.

Wenn meine Energiereserven wirklich leer sind und ich meinen schwarzen Hund innerlich nahen spüre, schaue ich bewusst Comedians oder Filme, die mich zum lachen bringen. Oder ich lese Bücher, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Umgekehrt nutze ich weinen, wenn ich innerlich Druck verspüre, unter Stress stehe oder belastet bin. Dann höre ich mir Lieder an, schaue Videos oder lese Bücher von denen ich weiß, dass sie mich bewegen und garantiert Tränen hervorrufen werden. Mein Top-Garant dafür ist aktuell Das unten eingebettete Musikvideo von James Blunt zum Song "Monster". Bitte nur anschauen, wenn du gerade mit Emotionen gut umgehen kannst.

Letzteres erfüllt für mich auch noch einen weiteren Zweck. Die emotionale Ventilfunktion von lachen und weinen ist für mich wichtig, doch da habe ich auch Alternativen.

Meine Energiereserven füllt beispielsweise am besten Zeit mit Steffi auf. Und auch Schreiben und Sport können mir helfen, emotionalen Druck los zu werden.

Doch das Musikvideo ist für mich auch ein Indikator. Würde es, was glücklicherweise bisher nie der Fall war, keine emotionale Reaktion in mir auslösen, würden keine Tränen fließen, müsste ich mir als Menschen mit Depressionsgeschichte wirklich Sorgen machen.

Emotionen sind wichtige Bausteine unserer Gesundheit

Wenn ich emotional so weit weg, so unerreichbar wäre, dass ich mich durch einen sonst absolut zuverlässigen Trigger nicht mehr bewegen lasse, hätte ich ein Problem.

Daraus ergibt sich eine Erkenntnis, für dich ich einige dunkle Jahre und Therapie gebraucht habe, die du allerdings hoffentlich ohne erlangen kannst.

Emotionen können lästig sein, sie können zu subjektiv unpassenden Zeiten auftreten, belasten und Kraft kosten. Doch sie sind essenzielle Bausteine unserer Gesundheit.

Klar, Emotionen lasen sich einige Zeit ausblenden und unterdrücken. Und manchmal ist es wichtig, sie beiseite zu schieben, bis die Zeit reife oder gegeben ist, sich mit ihnen zu befassen.

Doch früher oder später müssen wir uns mit ihnen befassen. Meine Tipp: tu es früher und zu einem Zeitpunkt deiner Wahl. Sonst werden sie ihre Zeit einfordern - nur zu einem Zeitpunkt, der dir dann vermutlich ganz und gar nicht recht sein wird.

Deshalb: Lache oder weine - aber bitte bewerte keine der Reaktionen als gut oder schlecht. Beide zeigen dir nur, dass in dir gerade Emotionen existieren, die sich ihren Weg nach draußen suchen und mit denen du dich befassen solltest.

Und machmal sind lachen und weinen auch gleichzeitig dran. Und das ist völlig okay.

Bildquelle:

  • “Stockfotografie Rücken, Umarmung und Paarbindung, draußen und gemeinsam in der Natur, Liebe und Geburtstagsdatum im Park. Morgen, Partner und Person mit Umarmung” by Peoplemages.com avia depositphotos.com

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